Holger Teschke liest „Heimatkunde von Rügen und Hiddensee“

Freitag 14.10.2011
19.30 Uhr
Autor Holger Teschke und Schauspielerin Jennipher Antoni lesen
„Heimatkunde von Rügen und Hiddensee“
Hoffmann und Campe,
Eintritt 5.- (inkl. einem Glas Wein)

Ausverkauft!
Es war ein wunderbarer Abend mit zwei außerordentlich gut aufgelegten Akteuren.

Von Nixen und berühmten Sommergästen

Holger Teschke lädt in seinem neuen Buch zu ebenso poesievollen wie amüsanten Inselspaziergängen ein.
Von Rico Nestmann
Rügen – Was wäre, wenn Saxo Grammaticus, Geheimschreiber des Bischofs Absalon von Roeskilde, am Kap Arkona auftauchen und zu einem Plausch im Slawischen Burgwall einladen würde? Wie aufschlussreich und interessant wären eine Unterhaltung mit Elizabeth von Arnim in Binz und ein Treffen mit Lyonel Feininger auf dem Mönchgut? Rügen und Hiddensee bergen Geschichten, von denen nur die Nixen wissen. Die geheimnisvollen Kräfte dieser Wasserfrauen machen es möglich, längst verblichene, aber keineswegs vergessene Inselgrößen ins Heute zu holen. In voller Lebensgröße, bei bester Gesundheit und – sehr zur Freude der Leser – fröhlich zum Plauschen aufgelegt.

 

Für sein neues Buch „Rügen und Hiddensee“, das dieser Tage bei Hoffmann und Campe in Hamburg erschienen ist, hat sich Holger Teschke mit Inselkennern wie Kosegarten, von Arnim und Ringelnatz zu ebenso poesievollen wie amüsanten Spaziergängen getroffen. Dank einer gewissen Sundine, einer Nixe ohne Fehl und Tadel, erhält der Autor die einmalige Gelegenheit, Prominenten der Rügener Inselgeschichte auf den Zahn zu fühlen. Als Spross einer alten Inselfamilie kennt Holger Teschke das Eiland wie seine Westentasche. Seine Großmutter und Großtante erzählten ihm als Jungen Märchen und Sagen, die sich um die schönsten Plätze der Insel rankten. Teschkes Spaziergänge führen zu historischen Begebenheiten und erzählen von den Eigenheiten der Menschen, von Kunst und Kultur, von Politik und nicht zu letzt auch vom Strandleben.

 

Drei Worte genügen: Runter von Rügen! Als Holger Teschke seiner Heimatinsel 1975 im Alter von 17 Jahren den Rücken kehrte, um als Maschinist zur See zu fahren und die große weite Welt zu entdecken, dachte er immer wieder an den Spruch, den man sich auf Strandpartys nach etlichen Flaschen Hafenbräu und Doppelkorn zugerufen hatte. Nach einem Regiestudium arbeitete er zunächst als Dramaturg und Autor am Berliner Ensemble. Er schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Essays und Gedichte. Mittlerweile führen ihn Lehrtätigkeit und Theaterarbeit bis nach Amerika, Australien und Südostasien. Den wachsamen Blick für seine Heimat an der Ostsee hat Holger Teschke dabei nie verloren. Mehrmals im Jahr kommt der Weitgeiste zurück auf die Insel, steht besonders touristischen Großprojekten kritisch gegenüber.

 

Saxo Grammaticus, Gotthard Ludwig Kosegarten, Joachim Ringelnatz, Elizabeth von Arnim, Wolfgang Koeppen, Lyonel Feininger, Theodor Fontane – sie alle sind gekommen, um Holger Teschke bei seiner literarischen Reise über Rügen zu begleiten und ihm Rede und Antwort zu stehen. Angenehm, wie der Autor seinen Protagonisten Bekanntes und Unbekanntes in den Mund legt, wie geschichtliche Daten, Fakten und Zusammenhänge miteinander verwoben werden, wie scheinbar staubtrockene Inselgeschichte zu neuem Leben erweckt wird. Der Mahner Teschke im Hintergrund – sehr eindringlich, bestens belesen und elegant wortgewandt, doch nie mit erhobenem Zeigefinger.

 

Das neue Buch von Holger Teschke ist ein literarischer Appell an seine Landsleute, an jene Kraft der Insulaner, mit denen sie über die Dänen-, Schweden-, Preußen-, Nazi- und Sowjetzeit gekommen sind. Dass sie sich nicht mehr von maßgeschneiderten Herrenreitern und geelglatten Daxaffen mit Denglisch und Dummsprech an der Nase herumführen lassen. Dass sie aufhören, von noch mehr Hotels und Halligalli zu träumen, sondern die Natur der Insel erhalten – für sich und für ihre Enkel.

 

Holger Teschke: „Rügen und Hiddensee“, Hoffmann und Campe Hamburg, 128 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-45538088-0, 15 Euro