Ursula Krechel liest „Landgericht“

Ursula-KrechelAusverkauft
Die Gewinnerin  des Deutscher Buchpreis 2012 liest in Gingst

Freitag
24.Mai 2013             19 Uhr 30
Die Autorin Ursula Krechel liest aus
„Landgericht“
Jung und Jung Verlag
Moderation: Dr. Rainer Moritz / Leiter Literaturhaus Hamburg
Eintritt: 12 Euro
Kunstscheune Vaschvitz

Liebe Literaturfreunde,

Ursula Krechel las aus “ Landgericht“
Moderation: Dr. Rainer Moritz

Ein ganz besonderer Abend liegt hinter uns, einer, der mich wirklich zutiefst beeindruckte und mich keine Sekunde aus der Aufmerksamkeit entlassen hat .
Frau Krechel hat das Publikum in ihrer Art vorzutragen und zu lesen, und ganz sicher mit dem Inhalt Ihres Romans „Landgericht“, gefangen genommen.

Es ist ein überaus wichtiges Buch, eines, dass einem als Leser noch lange nachgeht, weil die Ungerechtigkeit, die den Figuren widerfährt, auch heute noch in der Tat kaum fassbar scheint.

Es führt überzeugend vor, wie tief die seelischen Wunden eines Vertriebenen, einer „Displaced Person“ wie Kornitzer eine ist, tatsächlich gehen, vor allem aber auch, weil das Schicksal der Figuren berührt.
Das zu erreichen vermögen nur große AutorInnen. Ursula Krechel ist eine davon.
Der Roman besitzt ein hohe Aktualität, denn Internal Displaced Persons gibt es laut Schätzungen heute weltweit über 26 Millionen.

Ein unvergesslicher Abend und ganz sicher einer, der lange im Gedächtnis bleiben wird.

herzliche Grüße von Ihrer / Eurer Buchhändlerin Petra Dittrich

Umschlag_KrechelFoto oben links: Copyright © Alexander Paul Englert

Erzählt wird die Geschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer, der dem Holocaust rechtzeitig entkommen konnte. Während seine beiden Kinder Selma und Georg in England bei Pflegefamilien aufwachsen, lebt Kornitzer von seiner Frau Claire getrennt zehn Jahre lang im kubanischen Exil. Dort geht aus einer Beziehung zu einer Frau eine weitere Tochter hervor.

Als Richard Kornitzer 1947 zurück nach Deutschland kommt, kehrt er zu seiner immer noch geliebten Ehefrau Claire zurück. Doch als er seine beiden Kinder aus England zurückholen möchte, weigern diese sich. Sie wollen in England bleiben, weil sie zu ihren Pflegeeltern nach zehn Jahren eine viel intensivere Bindung haben als zu ihren leiblichen.

Doch nicht nur im familiären Umfeld muss der Richter, der sich in einer ihm fremd gewordenen Heimat zurechtfinden will, Enttäuschungen erleben. In Kohlhaas’scher Weise kämpft er für eine Wiedergutmachung des Leids, das ihm und seiner Familie durch die Nazis geschehen ist. Unerbittlich und immer erbitterter verfolgt er dieses nur von wenigen Erfolgen gekrönte Engagement bis in das Jahr 1970, in dem er stirbt.

logo_dbp_2012In vielen Rückblicken in die Vergangenheit lässt Ursula Krechel ihre Leser an einem authentischen Leben einer jüdischen Familie teilhaben. Der zeitliche Bogen, den sie spannt, reicht von den dreißiger Jahren bis zu den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In einer nüchternen, stellenweise lakonischen Weise erzählt Ursula Krechel die Geschichte von Richard Kornitzer, der nicht mehr wollte als Gerechtigkeit und der Zeit seines Lebens versuchte, in Deutschland, das ihm so über mitgespielt hatte, seine Heimat zu sehen.

Der der kühle, stellenweise essayistische Stil von Krechel, der zudem immer wieder von eingeflochtenen Originaldokumenten unterbrochen wird, nötigt dem Leser einige Aufmerksamkeit ab. Ursula Krechel ist es nach ihrem ersten Buch noch einmal hervorragend gelungen, aus Archivdokumenten einen bewegenden und beeindruckenden Roman zu machen, der zu Recht den Deutschen Buchpreis erhalten hat.

Rezension: Autor Winfried Stanzick – Jüdische Lebenswelten

rainer_moritzDr. Rainer Moritz, geboren 1958 in Heilbronn. Studium der Germanistik, Philosophie und Romanistik in Tübingen. Literaturwissenschaftliche Promotion 1988. Seit 1989 im Verlagswesen, zuletzt als Programmgeschäftsführer des Hoffmann und Campe Verlags, Hamburg. Seit 1985 Lehraufträge an Hochschulen, zuletzt an der Universität Bamberg und an der Universität der Künste Berlin. Vizepräsident der Marcel Proust Gesellschaft. Kritiker und Essayist, vor allem für Neue Zürcher Zeitung, Literarische Welt, Die Presse, Deutschlandfunk, Deutschlandradio.