Schalom neues Deutschland – Was aus uns geworden ist

Freitag
13. Dezember 2019
19.30 Uhr

Lesung/Film/ Konzert/Gespräch

Schalom neues Deutschland – Was aus uns geworden ist
zu Gast:
Andre Herzberg – Musiker & Romanautor
Tom Franke – Filmregisseur
Mark Chaet  – Co-Autor & Filmkomponist
Eintritt: 15 EuroKunstscheune Vaschvitz

 

 

 

Im Herbst 2018 erschien André Herzbergs neuer, vielbeachteter Roman „Was aus geworden ist“ und das gleichnamige Album. André Herzberg setzt sich hierin literarisch und musikalisch mit seiner Familiengeschichte ― seiner jüdischen Herkunft auseinander. Der Film „Schalom neues Deutschland ― Juden in der DDR“ von Tom Franke, Mark Chaet & Lutz Rentner rückt ein bisher wenig beleuchtetes Thema jüngerer deutscher Geschichte in den Fokus. Wie ging der sozialistische deutsche Staat mit der historischen Verantwortung um? Wie gestaltete sich
jüdisches Leben in der DDR? Ein Protagonist des Filmes ist André Herzberg. Unser Veranstaltungskonzept sieht eine Verschmelzung der künstlerischen Elemente Lesung, Film und Musik vor.

Zum Roman „Was aus uns geworden ist“

„Wenn ich die Stärke habe, mich meinem Schicksal zu überlassen, nur dann gibt es das Glück wieder für mich, wie ich es nur von meiner fernsten Kindheit, von meinen frühsten Erinnerungen kenne.“ Richard, Eike, Anton, Michaela, Peter und Jakob, der Erzähler. Sechs Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber eins gemeinsam haben: sie alle sind Kinder jüdischer Eltern, die in der DDR aufgewachsen sind. Ihre Kindheit war geprägt von den Nachwirkungen der Kriegserlebnisse, den Toten der Familie, den Traumata und dem Schweigen, Angst und Verdrängung. Ihre wirkliche Identität konnten sie alle nicht leben, nicht in der Familie, nicht in ihrem Staat. Als nach der Wende die Lebensentwürfe einer nach dem anderen zusammenfallen, müssen sie jeweils eigene Antworten finden auf die Fragen, die die Geschichte in ihnen aufgeworfen hat. Ein berührender, tief emotionaler Roman über die großen Fragen nach Sinn und Zugehörigkeit im Spiegel der jüngeren deutschen Vergangenheit. Zum Film „Schalom neues Deutschland ― Juden in der DDR“ Antisemitismus galt in der DDR als „mit Stumpf und Stiel“ ausgerottet. Somit spielte die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust eine untergeordnete Rolle. Nach 1945 waren es zumeist kommunistische Juden, die in die DDR zurückkehrten. Ihre oft ambivalenten, persönlichen Erfahrungen zeigt der Dokumentarfilm auf. Salomea Genin kam als junge Kommunistin mit vielen
Illusionen in die DDR. Sie hoffte, durch die Arbeit in der jüdischen Gemeinde etwas ändern zu können. Auch für den Schriftsteller und Journalisten Walter Kaufmann war die DDR Wahlheimat. Er findet erst spät zu seinen jüdischen Wurzeln zurück. Werner Lappe aus Dresden kommt mit seinen Eltern aus dem
englischen Exil in die DDR. Er fühlt sich als sogenannter „Drei-Tages-Jude“, der nur zu den großen jüdischen Feiertagen in die Synagoge geht. Der Rocksänger und Romanautor André Herzberg spürte die Zerrissenheit der Mutter, wenn sie sich zwischen der kommunistischen Überzeugung und der jüdischen Religion entscheiden sollte. Für André Herzberg wurde nach 1989 seine jüdische Identität ein neuer Anker. Auch der Musiker Karsten Troyke erlebte schon in seiner Schulzeit wie einerseits Antifaschismus als Staatsdoktrin galt, andererseits war er im Alltag immer wieder mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert. Der Historiker Prof. Wolfgang Benz erläutert im Film historische Zusammenhänge und ordnet diese im Rahmen der Antisemitismusforschung ein. „Schalom neues Deutschland ― Juden in der DDR“ stellt die Biografien und die emotionalen Schilderungen der Protagonisten in den Vordergrund und zeigt, wie Juden in der DDR gelebt und gefühlt haben.

Zum Album „Was aus uns geworden ist“

Nach zehn Jahren Abstinenz veröffentlicht André Herzberg sein fünftes Soloalbum. „Was aus uns geworden ist“ ist vertonte Lyrik und hochwertige Liedermachermusik zwischen Chanson und Blues. „Genau so möchte ich das machen!“, zeigte sich André Herzberg Anfang 2018 begeistert, als er die
ersten Arrangements für sein neues Album hörte. Bluesig war es geworden, roh und unmittelbar. Er hatte seinem Produzenten Hans Rohe ein paar Songskizzen geschickt, von Liedern, die sich in den zehn Jahren angesammelt hatten. In Hans Rohe fand André Herzberg den perfekten Partner für die
musikalische Zusammenarbeit. Man könnte vermuten, dass es sich bei dem Album um den Soundtrack zum gleichnamigen Roman handeln würde. So einfach ist es aber nicht. Die Musik entstand unabhängig und frei von der Arbeit am Buch. Für André Herzberg erfordert das Songschreiben ein anderes Denken und Fühlen ― eine direkte künstlerische Ausdrucksform. Beides, Album und Buch verhandeln große Themen, betrachten diese sozusagen von mehreren Seiten. Einkreisend in der Prosa. Mit unmittelbarem Gefühl im Lied. Ein intimes Album ist entstanden, was den Zuhörer berührt.

Veranstaltungsformat

Beteiligte:
Andre Herzberg (Musiker & Romanautor), Tom Franke (Filmregisseur), Mark Chaet (Co-Autor &
Filmkomponist)
Ablauf der ca. zweistündigen Veranstaltung:
1.) Begrüßung (ca. 5 min.)
2.) André Herzberg liest aus seinem neuen Roman „Was aus uns geworden ist“. Mark Chaet,
begleitet die Lesung musikalisch. (ca. 30 min.)
3.) Filmvorführung „Schalom neues Deutschland ― Juden in der DDR“. (ca. 45 min.)
4.) Konzert. André Herzberg spielt Lieder aus seinem neuen Album „Was aus uns geworden ist“.
Mark Chaet begleitet ihn hierbei. (ca. 30 min.)
5.) Im Anschluss sind André Herzberg, Mark Chaet und Tom Franke für Fragen offen.

 

Fotos:
© Denis Scheck: Deutschlandradio – Bettina Fürst-Fastré
© Rainer Moritz Gunter Glücklich

Denis Scheck – Deutschlandfunk: Literatur