Ursula März liest aus „Tante Martl“

entfällt (Corona)
Sonntag
05.April 2020
11.00 Uhr
Matinee, Lesung & Gespräch
Die Autorin Ursula März liest aus „Tante Martl“
Piper Verlag
Moderation: Rainer Moritz
Eintritt: 12 Euro

Ort:  Kunstscheune Vaschvitz zur Anfahrt

Foto: © Jennifer Endom

Tante Martl — Ein faszinierendes Frauenleben in Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder

Tante Martl ist scheinbar unscheinbar, in Wahrheit aber ganz besonders. Der Leser spürt es gleich an der Art, wie sie ihre Telefonanrufe eröffnet: mit einem Stöhnen, dem ein unerwarteter Satz folgt. Geboren als dritte Tochter eines Vaters, der nur Söhne wollte, ist Martl die ungeliebte Jüngste, die keinen Mann findet, dafür aber einen Beruf als Volksschullehrerin. Nie verlässt sie die westpfälzische Kleinstadt, in der sie geboren wurde, ja nicht einmal ihr Elternhaus. Und obwohl sie ihren Vater jahrelang pflegt, während ihre Schwestern Familien gründen, bewahrt sie ihre Selbstständigkeit. Wie Tante Martl das schafft und in hohem Alter noch einen großen Fernsehauftritt bekommt, erzählt Ursula März mit staunender Empathie und widerständigem Humor.

Literaturkritik:

Dass Tante Martl eine der unvergesslichsten Romanfiguren ist, die mir je begegnet ist, liegt an der unangestrengt klaren und präzisen Sprache von Ursula März, die den Leser vom ersten Satz ihres Romans für diese Frau einnimmt und dazu einlädt, an diesem Leben, das so typisch scheint und zugleich so singulär war, teilzuhaben. So wird Tante Martl, die von ihrer Familie zeitlebens als Nebenfigur betrachtet wurde, für immer zur literarischen Hauptfigur.

FELICITAS VON LOVENBERG